FX de Boissoudy: „L’espérance, c’est l’amour du réel“ – „Hoffnung ist Liebe zur Wirklichkeit“

mardi-quelques-milliers-de-jeunes-etaient-rassembles-en-un-sit-10904029ehtnt avril16-23

 

Die Sit-In-Bewegung der Veilleurs entstand im April 2013 aus dem Umfeld der Manif pour tous. Sie tritt ein für eine christliche Erneuerung der Gesellschaft und für eine ganzheitliche Ökologie. Ziel ist eine „révolution calme des consciences par l’art et la culture“ (Delphine de Mallevoüe), also eine „friedliche Revolution der Gewissen durch Kunst und Kultur“ – ein Konzept, das man als einen neuen Renouveau catholique auslegen kann. Dazu werden in den durchwachten Nächten Texte gelesen und Lieder gesungen. In einer dieser Nächte trat der Maler François-Xavier de Boissoudy vor’s Mikrofon und las den folgenden Text, der präzis wie kein anderer den Zustand unserer Gesellschaft und ihrer Kunst beschreibt – mit einem kämpferischen Grundton, ohne zu klagen und ohne zu jammern. Wir müssen, so FXB, wieder lernen, die Wirklichkeit zu lieben und uns von ihr verzaubern zu lassen, um eine neue Kultur der Liebe und der Barmherzigkeit zu begründen. Keinem anderen Zweck dienen die Gesetze und die Kunst. Es gilt, den abstrakten Konstruktionen der Gesellschaftsideologen die Wahrheiten des Fleisches und der Spiritualität entgegen zu setzen.


(Es folgt erst der französische Originaltext, dann die deutsche Übersetzung):

– Discours aux Veilleurs par François-Xavier de Boissoudy, peintre –

Que faisons-nous-là à être assis par terre pendant ces heures tardives, en dehors de chez nous ? Nous répondons à un besoin vital d’être là.

Nous sentons bien que ces moments ne sont pas vains : le Pouvoir nous pousse aujourd’hui à choisir à nouveau tout le socle de notre civilisation : ici, ou sur d’autres places de France, nous nous donnons maintenant des maitres à penser et à vivre libres, des ancêtres pour réapprendre la liberté, non seulement pour lutter contre l’ordre nouveau qu’impose le gouvernement, mais pour nous refonder dans la culture dont nous nous sentons les héritiers, et être à notre tour la culture vivante; Nous veillons à un avenir respirable pour nous même et pour nos descendants.

Je vois les veilleurs comme une école de refondation personnelle et culturelle. Nous faisons l’expérience de notre liberté gagnée face à nos peurs, face aux menaces.

Nous sommes nous-mêmes paraboles, c’est-à-dire que nous incarnons, par l’expérience que nous vivons ici, en manifestant notre espérance, notre spiritualité, une vision pour le pays ; nous sommes les symboles vivants de la culture que nous promouvons. Cette culture qui se déploie par les textes qui nous sont lus, nous la vivons.

Moi qui vous parle, je viens d’un secteur qui a été le laboratoire des changements nihilistes et libertaires qui touchent aujourd’hui la sphère intime de nos vies: celui de l’art et de la culture.

L’art décrit et délimite la réalité.

L’art et la culture, ces dernières décades, ont été le champ d’expérimentation de la culture de la déconstruction la plus avant-gardiste, que nous voyons aujourd’hui à l’œuvre sur le terrain sociétal, avec la même approche abstraite et conceptuelle que la loi à laquelle nous sommes confrontés. Déconstruction d’autant plus forte que subventionnée, autorisée, et imposée par l’Etat. L’art dit contemporain est le plus souvent proposé comme un simple moyen de résistance par l’ironie à la société de consommation, et cette tendance, quand on aborde les questions existentielles et spirituelles, se mue en tentation du vide. La recherche de l’absolu d’une société sans transcendance aboutit à la mort absolue.

Aujourd’hui nous sommes la preuve vivante que la description de la réalité est fausse si l’Espérance n’y figure pas. Quelle est donc en art cette espérance ?

Face au constat amer et mélancolique contemporain de ne percevoir que la fin de tout être et de toute chose matérielle, l’Espérance garde précieusement la faculté d’aimer la réalité et de s’émerveiller.

Face aux signes de la présence de l’amour, l’émerveillement est ce moment intense de réception par tout l’être, de quelque chose qui lui est radicalement étranger. Ce n’est pas de l’ordre de l’idée, de la construction intellectuelle, mais de la réalité surprenante. Quelque chose qui survient, qui n’était pas là, et qui embrasse toute votre personne et la transforme. Un phénomène vivant, qui lie l’intimité de l’être au cosmos ; la chair à l’invisible.

Je m’efforce dans ma peinture de témoigner de ces instants où j’accueille la pleine réalité, sans intellectuellement en faire le tour. Le surgissement du sublime.

L’émerveillement est une expérience dont l’art a à témoigner. L’émerveillement élargit la perception de la réalité, et l’étend jusqu’à l’infini, l’émerveillement rend l’art fécond ; l’émerveillement accepté nous rend libre, et l’expérience artistique excitante.

Nous sommes vraiment la société de la petite flamme, celle de ce que nous avons aperçu de la vie, celle que Bernanos appelle l’esprit d’enfance.

Aujourd’hui, nous sommes assis, silencieux, veilleurs. Par notre présence même, nous refondons une culture pour la vie ensemble, vécue dans les principes de la réalité, celle de la chair, fondée sur la présence invariable d’un homme et d’une femme pour donner la vie, et celle de la spiritualité de l’amour fécond, qui ne sauraient être séparés.

 

– Eine Rede von Francois-Xavier de Boissoudy, Maler, auf den Veilleurs –

Was machen wir hier eigentlich, spät nachts auf dem Boden sitzend, außerhalb unserer Wohnungen? Wir antworten auf ein lebendiges Bedürfnis, hier zu sein.

Wir fühlen, daß diese Augenblicke nicht leer und umsonst sind: Die Macht zwingt uns heute dazu, an die Fundamente unserer Zivilisationen zurück zu gehen: hier oder auf anderen Plätzen Frankreichs halten wir uns Vorbilder des freien Denkens und Lebens vor Augen, Ahnen, von denen wir die Freiheit lernen können, und zwar nicht nur, um gegen die neue Ordnung zu kämpfen, die uns die Regierung auferlegt, sondern um uns neu zu gründen in einer Kultur, als deren Erben wir uns fühlen und um unsererseits eine lebendige Kultur zu sein. Wir wachen für eine Zukunft, die uns und unseren Kindern Luft lässt zum Atmen.

Ich sehe die Bewegung der Veilleurs als eine Schule der persönlichen und kulturellen Neubegründung. Wir machen hier die Erfahrung, angesichts unserer Ängste und angesichts der Bedrohungen unsere Freiheit wieder zu gewinnen.

Wir selbst sind gleichnishaft, das heißt wir verkörpern eine Vision für unser Land durch die Erfahrung, die wir hier leben, indem wir unsere Hoffnung zeigen, unsere Spiritualität. Wir sind die lebendigen Symbole der Kultur, für die wir werben. Wir leben diese Kultur, die sich durch die Texte ausbreitet, die uns vorgelesen werden.

Ich selbst komme aus einem Sektor, der das Laboratorium jener nihilistischen und libertären Veränderungen gewesen ist, die heute die innersten Bereiche unseres Lebens berühren: dem Sektor der Kunst und der Kultur.

Die Kunst beschreibt und begrenzt die Wirklichkeit.

In den letzten Dekaden sind Kunst und Kultur Experimentierfelder der avantgardistischsten Kultur der Dekonstruktion gewesen, die wir heute auf dem Feld der Gesellschaft am Werk sehen, mit demselben abstrakten, konzeptionellen Ansatz wie es das Gesetz darstellt, dem wir uns konfrontiert sehen [das „Loi Taubira“]. Eine Dekonstruktion, die umso stärker war, insofern sie vom Staat subventioniert, autorisiert und aufoktroyiert wurde. Die sogenannte zeitgenössische Kunst wird meist nur gesehen als ein simples, ironisches Widerstandsmittel gegen die Konsumgesellschaft, und diese Tendenz verwandelt sich in eine Sehnsucht nach Leere, wenn es um die existentiellen und spirituellen Fragen geht.

Wir hier und heute sind der lebendige Beweis dafür, daß diese Beschreibung der Wirklichkeit falsch ist, wenn die Hoffnung dort nicht auftaucht. Worin also besteht diese Hoffnung in der Kunst?

Angesichts der heute vorherrschenden, bitteren und melancholischen Feststellung, nichts anderes als das Ende jedes Seins und aller materiellen Dinge wahrzunehmen, bewahrt die Hoffnung sorgsam die Fähigkeit, die Wirklichkeit zu lieben und sich an ihr zu entzücken.

Angesichts der Zeichen der Gegenwart der Liebe ist das Entzücken für jedes Wesen jener dichte Wahrnehmungsmoment von etwas, das ihm vollkommen fremd ist. Das gehört nicht zur Ordnung der Ideen, der intellektuellen Konstruktionen, sondern der überraschenden Wirklichkeit. Irgendetwas, das plötzlich eintritt, das vorher nicht da war und das die ganze Person ergreift und verändert. Ein lebendiges Phänomen, das die Intimität des Seins mit dem Kosmos verbindet und das Fleisch mit dem Unsichtbaren.

Ich bemühe mich in meiner Malerei darum, von solchen Augenblicken Zeugnis abzulegen, in denen ich die volle Wirklichkeit aufnehme, ohne sie intellektuell einzukreisen. Das Auftauchen des Erhabenen.

Die Entzückung ist eine Erfahrung, die von der Kunst bezeugt werden muß. Die Entzückung erweitert die Wahrnehmung der Wirklichkeit und dehnt sie bis ins Unendliche aus, die Entzückung macht die Kunst erst fruchtbar; die angenommene Entzückung macht uns frei und macht die künstlerische Erfahrung aufregend.

Wir sind wirklich die Gesellschaft der kleinen Flamme, die Flamme dessen, was wir im Leben gesehen haben, dessen, was Bernanos den Geist der Kindheit nennt.

Heute sitzen wir hier, still, als Wachende. Allein durch unsere Gegenwart begründen wir zusammen eine neue Kultur für das Leben, das wir nach den Prinzipien der Wirklichkeit leben wollen, den Prinzipien des Fleisches, gestützt auf die unveränderbare Gegenwart eines Mannes und einer Frau, die zusammen das Leben geben, und den Prinzipien der Spiritualität der fruchtbaren Liebe, die beide nicht von einander getrennt werden können.

(Übersetzung: Alexander Pschera)

Quellen:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Les_Veilleurs_(mouvement)
http://www.ethiquechretienne.com/discours-aux-veilleurs-par-francois-xavier-de-boissoudy-peintre-a91015487
http://www.boissoudy.com/
http://www.galerieguillaume.com/
http://www.ktotv.com/video/00103827/francois-xavier-de-boissoudy-peintre-de-la-misericorde

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s